Manche Menschen frieren selbst bei milden Temperaturen, Hände und Füsse bleiben dauerhaft kalt, die Nase wird rot, und selbst dicke Pullover bringen kaum Wärme. Übermässiges Frieren kann harmlos sein, ist oft aber ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme oder auf die Lebensweise. Wir erklären, warum es passiert, welche Ursachen dahinterstecken können und wie sich das Frieren lindern lässt.
Frieren ist zunächst einmal eine natürliche Reaktion des Körpers, um die Kerntemperatur stabil zu halten. Unser Körper hat ein Sollwert-System: Die normale Kerntemperatur liegt bei rund 37 Grad. Sobald die Temperatur des Blutes absinkt oder die Haut Kälte registriert, sendet das Gehirn Signale aus, um die Wärme zu speichern. Die Blutgefässe an Händen, Füssen und Nase ziehen sich zusammen, um die Wärme in lebenswichtigen Organen zu konzentrieren. Gleichzeitig beginnen die Muskeln zu zittern, um durch Bewegung Wärme zu erzeugen, und die Körperhaare stellen sich auf – Gänsehaut entsteht.
Doch manche Menschen frieren schneller und stärker als andere. Dieses übermässige Frieren, medizinisch als Kälteintoleranz bezeichnet, kann verschiedene Ursachen haben. Während es bei manchen einfach eine normale physiologische Besonderheit ist, kann es bei anderen auf gesundheitliche Probleme oder auf die Lebensweise hinweisen.
Warum der Körper kälter empfunden wird
Die Fähigkeit, Wärme zu produzieren und zu speichern, hängt stark von der körperlichen Ausstattung ab. Muskeln spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie erzeugen Wärme, wenn sie aktiv sind. Menschen mit wenig Muskelmasse frieren deshalb oft schneller, weil die eigene „Heizung“ fehlt. Auch das Unterhautfettgewebe wirkt isolierend. Schlanke Menschen frieren daher häufiger, weil ihnen diese zusätzliche Schutzschicht fehlt.
Die Durchblutung ist ein weiterer entscheidender Faktor. Ein niedriger Blutdruck oder Gefässverengungen führen dazu, dass Hände, Füsse und Nase besonders schnell auskühlen. Das Gehirn registriert die niedrigere Temperatur und löst das Kältegefühl aus. Wer also trotz warmer Kleidung kalte Extremitäten hat, kann gut isoliert sein – aber die Durchblutung ist nicht optimal.
Übermässiges Frieren als Symptom
Übermässiges Frieren kann ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung sein. Typische Anzeichen sind:
- kalte Hände, Füsse, Nase oder Ohren
- blasse oder bläuliche Haut
- Muskelzittern und Gänsehaut

Letztere ist ein Relikt aus der Zeit, als der menschliche Körper noch von einem Fell bedeckt war – aufgestellte Haare bildeten ein isolierendes Luftpolster, das die Körperwärme hielt. Zusätzlich können Begleitsymptome auftreten, etwa Müdigkeit, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme oder Verdauungsprobleme, abhängig von der Grunderkrankung.
Die Ursachen für gesteigerte Kälteempfindlichkeit sind vielfältig. Häufig liegt sie an harmlosem Stress, Übermüdung oder kurzfristiger Abgeschlagenheit. In anderen Fällen deutet sie auf gesundheitliche Probleme hin, darunter Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Hashimoto-Thyreoiditis, Eisenmangel, niedriger Blutdruck oder hormonelle Veränderungen wie in den Wechseljahren. Auch chronische Erkrankungen wie Fibromyalgie, Durchblutungsstörungen, Untergewicht, Magersucht oder bestimmte Krebserkrankungen können zu übermässigem Frieren führen. Selbst akute Infekte wie Grippe oder Erkältung machen sich oft durch Schüttelfrost bemerkbar.
Auch Medikamente können die Kälteempfindlichkeit erhöhen. Betablocker oder bestimmte Migränemittel verengen die Gefässe und reduzieren die Wärmeversorgung in den Extremitäten. Wer plötzlich ungewöhnlich friert, kalten Schweiss auf der Haut entwickelt oder blass und erschöpft wirkt, sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – es kann ein Hinweis auf akute Notfälle wie Schock, Unterzuckerung oder Herzprobleme sein.
Psychische Faktoren und Alter
Übermässiges Frieren hängt nicht nur von körperlichen Faktoren ab. Chronischer Stress, Schlafmangel oder psychische Belastungen führen zu Gefässverengungen und damit zu schlechter Durchblutung der Hände, Füsse und Ohren. Die Muskeln produzieren weniger Wärme, und der Körper friert schneller.
Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Temperaturregulation zusätzlich: Muskeln bauen ab, die Hautdurchblutung nimmt ab, und die Wahrnehmung von Kälte verändert sich. Deshalb frieren viele Senioren stärker, selbst bei vergleichsweise mildem Wetter.
Was hilft gegen übermässiges Frieren?
Auch wenn übermässiges Frieren ärztlich abgeklärt werden sollte, gibt es viele Massnahmen, die den Alltag deutlich angenehmer machen. Bewegung ist zentral: Spaziergänge, Gymnastik oder leichtes Krafttraining aktivieren Muskeln, erhöhen die Wärmeproduktion und verbessern die Durchblutung. Dabei hilft es, besonders Hände und Füsse zwischendurch zu bewegen, um die Blutzirkulation anzuregen.

Ebenso wichtig ist die richtige Kleidung. Das Layering-Prinzip, bei dem mehrere dünne Schichten übereinander getragen werden, hält die Körperkerntemperatur konstant. Rumpf, Hände und Füsse sollten gut isoliert sein, denn über diese Bereiche geht besonders viel Wärme verloren. Warme Mützen, Schals und Handschuhe schützen die empfindlichsten Stellen.
Auch Wärme von innen hilft: Warme Getränke, Suppen oder Mahlzeiten liefern Energie für die körpereigene Wärmeerzeugung. Wer ausreichend schläft und Stress reduziert, reguliert seine Körpertemperatur ebenfalls besser. Techniken wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung wirken hier unterstützend.
Bei niedriger Durchblutung oder chronischem Frieren können Wechselduschen, Sauna oder Massagen die Gefässe erweitern und die Wärmeversorgung verbessern. Ausserdem kann ein gezielter Muskelaufbau langfristig helfen, weil Muskeln aus Nahrung oder körpereigenem Fett Wärme erzeugen.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Wenn das Frieren neu auftritt, sehr stark ist oder von anderen Symptomen begleitet wird, sollte ein Arzt konsultiert werden. Dazu zählen ständige Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Herzrasen, Schwindel oder Veränderungen an Haut und Haaren. In der Praxis werden Blutdruck, Blutwerte und Hormone kontrolliert, um Ursachen wie Schilddrüsenunterfunktion, Untergewicht, Durchblutungsstörungen oder andere Erkrankungen auszuschliessen oder zu behandel

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