Glatteis und vereiste Wege bergen für Senior:innen ein hohes Sturzrisiko. Schon ein kleiner Ausrutscher kann schwerwiegende Folgen haben. Mit geeignetem Schuhwerk, gezieltem Training und kleinen Vorsichtsmassnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Diese und noch mehr Tipps erfahren Sie in diesem Artikel.
Der Winter hat seinen ganz eigenen Reiz: glitzernder Frost, verschneite Landschaften und die ruhigen Morgenstunden. Für viele ältere Menschen kann die kalte Jahreszeit jedoch schnell zur Herausforderung werden. Glatte Strassen, vereiste Gehwege und unachtsam liegengebliebener Schnee erhöhen das Risiko von Stürzen erheblich. Schon ein kurzer Ausrutscher kann schwere Verletzungen wie Knochenbrüche, Prellungen oder langwierige Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen.
Jedes Jahr verletzen sich in der Schweiz rund 6’200 ältere Menschen durch schwere Stürze, 1’600 davon sterben an den Folgen. Fast die Hälfte aller Unfälle zu Hause wird durch Stürze verursacht. Ab 75 Jahren steigt das Risiko deutlich, Frauen stürzen häufiger und verletzen sich schwerer als Männer. Besonders Treppen, Badezimmer und rutschige Böden bergen Gefahren, doch auch Stolperfallen wie lose Teppiche, Kabel oder schlecht beleuchtete Räume erhöhen das Risiko.
Warum gerade ältere Menschen gefährdet sind
Mit zunehmendem Alter verändern sich Körper und Wahrnehmung: Die Muskelmasse nimmt ab, die Reaktionsfähigkeit lässt nach und das Gleichgewicht wird instabiler. Ab dem 50. Lebensjahr schrumpft die Muskelmasse jährlich um 1–2 Prozent, nach dem 70. Lebensjahr sogar um 3 Prozent. Wer über 70 Jahre alt ist, hat daher ein deutlich höheres Risiko, bei einem Sturz ernsthaft verletzt zu werden. Hilfsmittel wie Rollatoren oder Gehstöcke können zwar Sicherheit geben, erhöhen aber auf rutschigen Flächen auch die Gefahr, ins Straucheln zu geraten, wenn sie nicht richtig eingesetzt werden. Viele Senior:innen bleiben im Winter aus Angst vor Stürzen zu Hause – was wiederum Beweglichkeit und Muskelkraft weiter reduziert.
Die häufigsten Gefahrenquellen
Schnee und Eis: Die wohl offensichtlichsten Gefahren. Schon kleine vereiste Stellen reichen aus, um das Gleichgewicht zu verlieren.
Nässe und Laub: Im Winter können Regen, Schmelzwasser und gefrorenes Laub auf Gehwegen rutschige Stellen bilden.
Treppen und Rampen: Besonders gefährlich sind Aussentreppen und Rampen, die oft nicht rechtzeitig gestreut oder geräumt werden.
Fehlende oder falsche Hilfsmittel: Ungeeignetes Schuhwerk oder schlecht sitzende Gehstützen erhöhen die Sturzgefahr.

Praktische Prävention: So reduzieren Senioren ihr Risiko
1. Rutschfestes Schuhwerk:
Winterschuhe mit tiefem Profil geben Halt auf glatten Untergründen. Schuhe sollten fest sitzen, die Ferse stabil unterstützen und wasserfest sein. Wer besonders auf vereisten Flächen unterwegs ist, kann auf Spikes oder spezielle Anti-Rutsch-Einlagen zurückgreifen – handlich, leicht zu transportieren und schnell einsetzbar.
2. Zeit nehmen beim Gehen:
Unter Zeitdruck steigt das Sturzrisiko. Wer bewusst Schritt für Schritt geht, verlagert sein Gewicht kontrolliert und kann schneller auf Glätte reagieren.
3. Treppen mit Vorsicht:
Treppen sind im Winter besonders gefährlich. Halten Sie sich am Handlauf fest und steigen Sie langsam. Bei stark vereisten Treppen kann es sinnvoll sein, alternative Wege zu wählen.
4. Geräumte und gestreute Wege bevorzugen:
Wo immer möglich, sollten Senioren auf geräumte und gestreute Gehwege ausweichen. Viele Städte bieten Infos zu geräumten Routen oder Winterdienstplänen, die sich vorab prüfen lassen.
5. Hilfsmittel gezielt einsetzen:
Rollator, Gehstock oder Gehgestell können Stabilität geben. Wichtig ist, dass diese Hilfsmittel richtig eingesetzt werden und die Füsse bei jedem Schritt stabil auf dem Boden stehen.
Training für Gleichgewicht und Muskulatur
Regelmässige Bewegung ist eine der effektivsten Präventionsmassnahmen gegen Stürze. Besonders wichtig sind Übungen, die Gleichgewicht, Koordination und Muskelfunktion stärken:
– Beckenlifte: Auf den Rücken legen, Beine anwinkeln, Becken anheben und absenken. Stärken Rücken und Gesässmuskulatur.
– Kniebeugen: Langsam in die Knie gehen, Gewicht auf beide Beine verteilen, wieder aufrichten. Fördert Oberschenkel- und Gesässmuskulatur.
– Zehenspitzen-Übungen: Auf Zehenspitzen stehen und wieder absenken, abwechselnd ein Bein anziehen. Trainiert Waden- und Fussmuskulatur, verbessert Stabilität.
– Seitliche Beinheber: Stehend ein Bein zur Seite heben und wieder senken. Stärkt Hüfte und seitliche Oberschenkelmuskulatur.
Schon wenige Minuten Training täglich reichen, um die Muskulatur zu stabilisieren und die Reflexe zu verbessern. Dabei gilt: Lieber regelmässig kurz üben als selten lange Einheiten absolvieren.

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Ernährung als Sturzprävention
Kalzium- und Vitamin-D-reiche Ernährung unterstützt Knochen und Muskeln. Lebensmittel wie Milchprodukte, fetter Fisch, Eier oder mit Vitamin D angereicherte Produkte können die Knochenstabilität verbessern. Eine ausgewogene Ernährung trägt zudem zur allgemeinen Fitness bei und hilft, das Körpergewicht stabil zu halten – wichtig für Gleichgewicht und Belastbarkeit.
Was tun, wenn doch ein Sturz passiert?
Ein Sturz sollte immer ernst genommen werden. Auch wenn keine offensichtlichen Verletzungen auftreten, ist eine ärztliche Kontrolle sinnvoll. Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und weitere Stürze zu verhindern. Ausserdem sollte die Ursache analysiert werden: War es mangelnde Muskulatur, unpassendes Schuhwerk oder glatte Wege? Daraus lassen sich gezielte Massnahmen ableiten.

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