Akutgeriatrie, Komplexbehandlung oder geriatrische Rehabilitation: Wann was sinnvoll ist

Reha verstehen, Selbstbestimmt | 0 comments

Nach einem Spitalaufenthalt tauchen oft verschiedene Begriffe auf: Akutgeriatrie, geriatrische Komplexbehandlung oder Rehabilitation. Doch was genau bedeutet das – und wann kommt welche Behandlung bei welcher Erkrankung zum Einsatz?

Nach einem Sturz, einer Operation oder einer schweren Erkrankung stehen ältere Menschen und ihre Angehörigen häufig vor neuen Begriffen und mit ihnen vor neuen Entscheidungen. Ärzt:innen sprechen von Akutgeriatrie, von einer geriatrischen Komplexbehandlung oder von einer geriatrischen Rehabilitation. Für viele klingt das zunächst ähnlich. Tatsächlich handelt es sich jedoch um verschiedene Behandlungsformen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen – und oft direkt aufeinander folgen.

Alle drei Bereiche gehören zur sogenannten Geriatrie, also zur Altersmedizin. Ihr Ziel ist nicht nur, Krankheiten zu behandeln, sondern vor allem die Selbstständigkeit älterer Menschen zu erhalten oder wiederherzustellen.

Wenn Krankheit den Alltag plötzlich verändert

Im höheren Lebensalter wirken sich Krankheiten häufig stärker auf den Alltag aus als in jüngeren Jahren. Ein Sturz kann zu einem Knochenbruch führen und damit eine längere Phase der Immobilität auslösen. Nach einem Schlaganfall können Sprache, Bewegung oder Gedächtnis beeinträchtigt sein. Auch Infektionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen bei älteren Menschen schneller zu Kraftverlust und Unsicherheit im Alltag.

Hinzu kommt, dass viele Patient:innen gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden. Fachleute sprechen von Multimorbidität. Medikamente, körperliche Einschränkungen und nachlassende Kräfte beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb verfolgt die Altersmedizin einen ganzheitlichen, individuellen Ansatz: Neben der Behandlung der eigentlichen Krankheit geht es immer auch darum, Alltagsfunktionen, Mobilität und Lebensqualität zu sichern.

Die drei Behandlungsformen kurz erklärt

Akutgeriatrie: Behandlung akuter Erkrankungen älterer Menschen im Spital und erste Stabilisierung.

Geriatrische Komplexbehandlung: Frührehabilitation während des Spitalaufenthalts, wenn intensive Therapie bereits nötig ist.

Geriatrische Rehabilitation: Mehrwöchige Aufbauphase in einer Rehaklinik mit dem Ziel, Selbstständigkeit und Mobilität zu verbessern.

Akutgeriatrie: Stabilisierung in der akuten Krankheitsphase

Die Akutgeriatrie ist Teil der Krankenhausmedizin. Sie kommt zum Einsatz, wenn ältere Menschen mit einer akuten Erkrankung oder Verletzung ins Spital eingeliefert werden. Dazu gehören beispielsweise ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt, ein Sturz mit Knochenbruch oder eine schwere Infektion.

In dieser Phase steht zunächst die medizinische Behandlung im Mittelpunkt. Ärzt:innen kümmern sich um die Diagnose und Stabilisierung des Gesundheitszustands. Gleichzeitig beobachten sie genau, welche Folgen die Erkrankung für den Alltag haben könnte. Bei älteren Menschen kann schon eine kurze Phase im Spital zu Muskelabbau, Unsicherheit beim Gehen oder Orientierungsschwierigkeiten führen. Deshalb beginnen in vielen geriatrischen Abteilungen bereits während der Akutbehandlung erste therapeutische Massnahmen. Dazu gehören etwa vorsichtige Mobilisation, Übungen für Gleichgewicht und Beweglichkeit oder Gespräche zur Unterstützung bei psychischen Belastungen.

Die geriatrische Komplexbehandlung: Frührehabilitation im Spital

Nicht immer sind Patient:innen nach der Akutbehandlung sofort stabil genug für eine klassische Rehabilitation. Genau an diesem Punkt setzt die sogenannte geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung an.

Sie findet weiterhin im Spital statt und verbindet medizinische Behandlung mit intensiver Therapie. Ein interprofessionelles Team arbeitet dabei eng zusammen. Neben Geriater:innen sind Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Pflegefachpersonen und Sozialdienste beteiligt.

Der Schwerpunkt liegt darauf, verloren gegangene Fähigkeiten möglichst früh wieder aufzubauen. Patient:innen üben beispielsweise wieder aufzustehen, zu gehen oder alltägliche Handgriffe selbstständig auszuführen. Auch Sprach- und Schluckstörungen können gezielt behandelt werden.

Die Therapie wird individuell geplant und regelmässig angepasst. Ziel dieser Phase ist es, die körperliche und geistige Stabilität so weit zu verbessern, dass eine Rückkehr nach Hause oder eine anschliessende Rehabilitation möglich wird.

Geriatrische Rehabilitation: Der Weg zurück in den Alltag

Ist die akute Krankheitsphase überstanden und der Gesundheitszustand stabil, kann eine geriatrische Rehabilitation folgen. Sie findet meist in einer spezialisierten Rehaklinik statt und dauert häufig mehrere Wochen.

Während dieser Zeit steht nicht mehr die Behandlung der akuten Erkrankung im Vordergrund, sondern die Wiederherstellung von Mobilität und Selbstständigkeit. Therapien helfen dabei, Muskeln aufzubauen, Gleichgewicht zu trainieren und alltägliche Tätigkeiten wieder sicher auszuführen. Auch kognitive Fähigkeiten und psychische Belastungen werden berücksichtigt.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Vorbereitung auf den Alltag. Fachpersonen beraten beispielsweise zu Hilfsmitteln, zur Anpassung der Wohnung oder zu Unterstützungsmöglichkeiten durch Angehörige und ambulante Dienste. Ziel ist es, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden und den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Ein abgestimmter Weg der Behandlung

Ein zentrales Merkmal der geriatrischen Medizin ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Ärzt:innen, Pflegefachpersonen, Therapeut:innen und Sozialarbeitende tauschen sich regelmässig aus und legen gemeinsam Therapieziele fest. Dabei wird nicht nur der medizinische Zustand berücksichtigt, sondern auch die persönliche Lebenssituation. Solche ganzheitlichen Behandlungsansätze sind besonders wichtig, weil körperliche, geistige und soziale Faktoren im Alter eng miteinander verbunden sind.

Akutgeriatrie, Komplexbehandlung und geriatrische Rehabilitation sind daher keine konkurrierenden Angebote. Vielmehr bilden sie verschiedene Etappen eines abgestimmten Behandlungswegs. Je nach Gesundheitszustand können ältere Menschen eine oder mehrere dieser Phasen durchlaufen. Das gemeinsame Ziel bleibt dabei immer gleich: nach einer gesundheitlichen Krise möglichst viel Selbstständigkeit zurückzugewinnen und wieder sicher im Alltag leben zu können.

Individuelle Altersmedizin

Die Adullam Spitäler erstellen für jede Patient:in einen individuellen Behandlungsplan. Die Ärzt:innen arbeiten dabei eng mit den Kolleg:innen der Pflege, Therapie, Psychologie, Seelsorge und Sozialberatung zusammen.

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